2021-02-11

Orchideen – vom Topseller zum Problemfall

Orchideen – vom Topseller zum Problemfall
 
Autor:
Geschäftsführer Media Concept Schweiz AG

In den letzten 25 Jahren kannten die Produktions- und Verkaufszahlen für Orchideen nur einen Weg – nach oben. Wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren noch beachtliche Mengen in Deutschland und der Schweiz produziert, verlagerte sich ab den 2000er-Jahren fast die gesamte Produktion in die Niederlande. Aktuell kommen neun von zehn Orchideen aus niederländischen Betrieben. In diesem Blogbeitrag blicken wir etwas hinter die Kulissen der Produktion und analysieren die Marktentwicklung.

Orchideen sind keine einfache Kultur. Dies gilt sowohl für die Bereiche Jungpflanzen und technische Voraussetzungen für die Kultur als auch für die Vermarktung.

Jungpflanzen werden in der Regel aus In-Vitro-Laboren bezogen. Einige wenige Spezialbetriebe, wie z.B. die Firma Hark in Lippstadt, beschäftigen sich mit dieser Thematik. Bei der Gewebe- oder In-Vitro-Kultur werden Stücke pflanzlichen Gewebes auf ein Nährmedium gesetzt, wo sie Blätter und Wurzeln ausbilden. Nach der Übertragung der In-Vitro-Pflänzchen in Erde vergehen je nach Art mehrere Wochen oder Monate bis, sie sich an die neuen Bedingungen gewöhnt haben und zu wachsen beginnen. Die Gesamtkulturzeit liegt je nach Topfgrösse und Pflanzenhöhe zwischen 9 und 24 Monaten.

Der Blick in ein Gewebelabor – Jungpflanzenanzucht von Orchideen
Der Blick in ein Gewebelabor – Jungpflanzenanzucht von Orchideen

Um diese besonderen Pflanzen erfolgreich und wirtschaftlich zu kultivieren, ist eine sehr spezielle Ausstattung der Gewächshäuser erforderlich, die hohe Investitionen voraussetzt. So erfolgt die Kultur bei ca. 26 – 28°C und im Winterhalbjahr ist zudem Kunstlicht erforderlich. Wegen des hohen Energiebedarfs verfügen fast alle Spezialbetriebe über Möglichkeiten der eigenen Strom- und Wärmeproduktion. An erster Stelle steht die Geothermie (Erdwärme).
Unter Berücksichtigung dieser Möglichkeiten ist es tatsächlich möglich, in Mitteleuropa Orchideen mit begrenzter CO2-Belastung anzubauen.

Orchideen haben eine sehr lange Kulturzeit – Blick in die Produktion
Orchideen haben eine sehr lange Kulturzeit – Blick in die Produktion

Diese besonderen Anforderungen an die Produktionseinrichtungen führten dazu, dass es heute z.B. in den Niederlanden nur noch ca. 60 Betriebe für Orchideen gibt, während es im Jahr 2000 noch ca. 200 gewesen sind. Im gleichen Zeitraum ist die Verkaufsmenge stetig gestiegen und vor allem seit 2018 ist ein Preisverfall aufgrund eines massiven Überangebots zu beobachten. Hochwertige Phalaenopisis mit drei bis vier Trieben, die vor acht Jahren im Einzelhandel noch ca. 20 bis 25 Euro gekostet haben, werden heute zum Teil in Verkaufsaktionen für 5.99 EURO angeboten.

Hoher Energieeinsatz bei der Produktion von Orchideen
Hoher Energieeinsatz bei der Produktion von Orchideen

Zusammenfassend können wir sagen, dass viele Orchideenarten den Höhepunkt des Produktlebenszyklus überschritten haben und weder in der Produktion noch im Handel mit Orchideen derzeit Geld verdient werden kann. Nun sind bei den Betrieben unternehmerisches Fingerspitzengefühl und Kreativität gefordert, um neue Produkte zu finden, die ebenfalls hohe Ansprüche an die teuren Produktionseinrichtungen stellen.

Orchideen sind zum Massenprodukt geworden und die Verkaufspreise gefallen
Orchideen sind zum Massenprodukt geworden und die Verkaufspreise gefallen

Wir begleiten unsere Kunden über Jahre und liefern die Marketingkonzepte. Insofern sind wir Sparringspartner bei der Marktbeobachtung und Produktentwicklung. Wir freuen uns über ein Gespräch mit Ihnen; gerne auch zum Thema Produktlebenszyklus.

 

Autor:
Robert Wacker
Geschäftsführer Media Concept Schweiz AG
Robert Wacker arbeitet seit 1980 in der Grünen Branche. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Entwicklung von Marketing- und Verkaufskonzepten für Züchter, Produzenten und den Einzelhandel. Als Geschäftsführer der Media Concept Schweiz AG schreibt er regelmässig Beiträge für diesen Blog.